Ein neues Lehrbuch? Aber digital!

Aus einzelnen interaktiven √úbungen wird ein ganzes digitales Lehrbuch.

Nach dem Ausprobieren individueller digitaler Tools geht es hier um ein ganzes Lehrbuch, und das nun digital als E-Book.

Aber was ist daran wirklich schon digital und wo sollte man bisher eher von einem eingescannten Lehrbuch mit einigen digitalen Funktionen sprechen? Viele „digitale“ Lehrb√ľcher befinden sich noch in einer √úbergangsphase, in der die bisherigen Papierversionen schrittweise auf digitale Versionen umgestellt werden. So gibt es durchaus E-Books, die noch nicht ohne die der Papierversion beigef√ľgte CD oder DVD f√ľr H√∂r√ľbungen oder Videos auskommen.

Bei den digitalen Lehrb√ľchern, wo H√∂r√ľbungen bzw. Videos bereits eingebaut sind, kann der Link direkt √ľber das Lautsprechersymbol unmittelbar neben dem entsprechenden Text bzw. der Aufgabe aufgerufen werden. Ein Vorteil bei den bereits eingebauten Links ist, dass das Einlegen der CD/DVD in den CD- bzw. DVD-Player entf√§llt, zumal viele Ger√§te heutzutage gar nicht mehr √ľber einen CD-Player verf√ľgen. Alle H√∂rtexte bzw. Videso sind zudem auch √ľber eine entsprechende App abrufbar.

Die Verlage versuchen dieses mitunter noch vorhandene Manko durch zusätzliches interaktives Übungsmaterial auszugleichen. Zu jeder Lerneinheit gibt es beispielsweise eine Übungseinheit, deren Internetzugang mit dem Kauf des E-Books erlangt wird. Hier können die Teilnehmenden in wirklich digital aufgebauten Übungen ihr Wissen unter Beweis stellen. Manchmal gibt es auch einen interaktiven Einstufungstest als Zusatzangebot zum E-Book oder andere Links mit zusätzlichen Übungsangeboten.

Allgemeines Vorgehen im Kurs: Der Lehrende √∂ffnet das digitale Lehrbuch am Whiteboard, die Teilnehmenden √∂ffnen ihr digitales Lehrbuch an ihrem eigenen Endgerat. Aufgaben k√∂nnen jetzt gemeinsam am Whiteboard oder individuell am eigenen Endger√§t gel√∂st werden. Alle Aufgaben und L√∂sungen sind f√ľr alle am Whiteboard sichtbar, wodurch eine Orientierung im eigenen Lehrwerk erleichtert wird.

Am unteren Lehrbuchrand sind verschiedene digitale Funktionen verf√ľgbar: ein- oder zweiseitige Seitenansicht, Verschiebemodus, Zeichnen, Schreiben, Markieren, eine Notiz oder ein Textfeld einf√ľgen, L√∂schen bzw. Elemente in den Papierkorb verschieben, Anmerkungen verstecken, umbl√§ttern, Seite vergr√∂√üern/verkleinern, allgemeine Suchfunktion, Inhaltsverzeichnis. Mitunter gibt es in den Lektionen Verweise auf andere Seiten im Buch, wo weitere √úbungen zu den entsprechenden Themen zu finden sind.

F√ľr die Teilnehmenden ist es praktisch, dass jegliche von ihnen eingegebenen Annotationen in Form von Textfeldern, Notizen oder Hervorhebungen automatisch gespeichert werden. Das ist ja gerade ein Vorteil des digitalen Lehrbuches. Wenn die Aufgaben im digitalen Lehrbuch gemacht und automatisch gespeichert werden, kann niemand mehr den Zettel mit den L√∂sungen vergessen. F√ľr die Lehrenden jedoch kann das insofern nicht so wirklich praktikabel sein, wenn sie das gleiche Lehrbuch in mehreren Kursen verwenden. In diesem Fall ist die Schreibfunktion von ActivInspire eine M√∂glichkeit sich das Radieren bzw. in den Papierkorb verschieben der einzelnen Annotationen zu ersparen. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag: Doppelt digital: Lehrbuch plus ActivInspire.

Eignung f√ľr die Seniorenbildung

Da sich in meinen Kursen bereits l√§ngere Zeit alle Teilnehmenden mit der Nutzung digitaler Endger√§te vertraut gemacht haben und diese auch zu Hause nutzen, war der Schritt zu einem digitalen Lehrbuch f√ľr sie nicht so √ľberraschend.

In der Seniorenbildung sollte der Lehrende jedoch darauf achten, die Teilnehmenden vor allem am Anfang nicht mit zu vielen technischen Informationen zu √ľberfrachten. Als praktikabel hat sich erwiesen, bestimmte Funktionen des E-Books erst dann zu erl√§utern, wenn diese unbedingt ben√∂tigt werden.

Auch wurde sichtbar, dass die j√ľngeren Teilnehmenden (~U70) wesentlich besser mit dem digitalen Lehrbuch zurechtkommen, da sie aufgrund des vor kurzem abgeschlossenen Berufslebens im Umgang mit digitalen Ger√§ten ge√ľbter sind. Funktionen wie kopieren, einf√ľgen, schreiben, radieren, Farbe und Stiftgr√∂√üe √§ndern bed√ľrfen bei ihnen keines Trainings oder Aktivierens mehr, bei den √§lteren Teilnehmenden (~√ú70) schon.

Wobei der Lehrende diesen Umstand durchaus als Übung in den Sprachkurs einbauen kann, indem die Teilnehmenden zunächst alle Schritte auf Deutsch und dann in der Fremdsprache (oder bei fortgeschritteneren Kursen gleich in der Fremdsprache) aufschreiben und anschließend die Sätze in verschiedene Zeitformen setzen oder verschiedenen Personen zuordnen. Dabei werden sowohl die technischen Schritte als auch Zeit- bzw. Verbformen wiederholt und gefestigt.

Als sehr angenehm empfinden die Teilnehmenden, dass die Darstellung des Lehrbuches an der digitalen Tafel in der Gr√∂√üe ver√§nderlich ist. In vielen Lehrb√ľchern sieht man kleine Schrift und die Teilnehmenden haben mitunter Schwierigkeiten die Aufgaben √ľberhaupt zu lesen. Mit dem digitalen Lehrbuch ist das √ľberhaupt kein Problem mehr. Jede Ansicht kann beliebig vergr√∂√üert werden.

F√ľr fast alle unproblematisch ist das L√∂sen der digital aufbereiteten interaktiven Zusatzaufgaben, wo beispielsweise Felder verschoben, W√∂rter per Tastatur eingegeben oder die richtige L√∂sung angeklickt werden muss. Auch dass Aufgaben wiederholt gel√∂st werden k√∂nnen, kommt den √§lteren Teilnehmenden entgegen, die gern falsch bzw. fehlerhaft gel√∂ste Aufgaben noch einmal l√∂sen m√∂chten, egal ob sofort oder nach einer gewissen Pause.

Nicht nur ich als Lehrende auch die Teilnehmenden empfinden es als Vorteil, dass alle Aufgaben gemeinsam an der Tafel verfolgt bzw. gelöst werden können. Alle blicken zur gleichen Zeit an die Tafel. Niemand schaut mehr einzeln in das Lehrbuch und liest dort etwas, wo mitunter das Gesprochene von den anderen Teilnehmenden und auch vom Lehrenden als undeutlich gesprochen wahrgenommen wird. Die Sprechrichtung ist nicht mehr nach unten sondern direkt in den Raum hinein.

Damit wird immer mehr wirklich gemeinsames Lernen möglich.

Voraussetzungen

Technisch

  • Digitales Endger√§t (PC, Laptop, Tablet oder Smartphone) f√ľr jeden Teilnehmenden sowohl im Kurs als auch zu Hause. Manchmal bevorzugen √§ltere Teilnehmende auch, ihr eigenes Endger√§t mit in den Kurs zu bringen. Tablet, Laptop oder PC sind gut geeignet. Smartphones sind vorteilhaft, wenn es darum geht, sich unterwegs (beim Arzt, beim Autofahren, im Zug etc.) einen Text oder eine √úbung anzuh√∂ren.
  • Digitales Whiteboard plus Laptop f√ľr den Lehrenden.
  • Stabile Internetverbindung im Kurs und zu Hause.
  • Am Beginn des Kurses muss sich der Lehrende √ľberzeugen, dass alle Teilnehmenden mit den technischen Anforderungen zurechtkommen. D.h., evtl. muss der eine oder andere technische Schritt (z.B. Markieren, Kopieren, Einf√ľgen) im Kurs erl√§utert und ge√ľbt werden.

Organisatorisch

  • Erwerb der Online-Lizenz f√ľr Lehrende und Teilnehmende
  • Freischalten des Online-Zugangs zum digitalen Lehrbuch und den interaktiven Zusatz√ľbungen f√ľr Lehrende und Teilnehmende

Aufwand zur Vor- und Nachbereitung

Gef√ľhlt verk√ľrzt sich die Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit, da alle √úbungen sofort griffbereit im digitalen Lehrbuch und somit an der Tafel verf√ľgbar ist.

Andererseits bekommen die Lehrenden viel mehr Anregungen weitere Aufgaben in den Kurs einzubeziehen. Auch können sie den Teilnehmenden aufgrund der Aufgabenvielfalt individuell immer besser Übungsaufgaben entsprechend deren Wissensstand empfehlen. Interaktive Übungen als Ergänzung zum E-Book erleichtern die Suche nach zusätzlichen Aufgaben.

Auch bei der Vorbereitung des Unterrichtes und im Kurs selbst entfällt das Einlegen der CD und Suchen nach dem richtigen Track. Alles kann ohne weiteren Aufwand per Mausklick geöffnet, gehört, gespeichert etc. werden.

Vorteilhaft ist auch die M√∂glichkeit bildliche Darstellungen in Form von Fotos und Zeichnungen direkt aus dem Lehrbuch f√ľr beliebige Sprachanl√§sse zu nutzen. Es muss nicht mehr nach geeignetem Material gesucht werden. Die Frage von Urbeberrechten bei der Nutzung von Fotos ist f√ľr den Lehrenden hier ebenfalls nicht mehr relevant. Und eine Belebung des Unterrichtes ist es allemal.

Benötigte digitale Kompetenzen

Lehrende

  • Eine mittlere digitale Kompetenz ist ausreichend.

Teilnehmende

  • Eine geringe aber gefestigte digitale Kompetenz ist ausreichend, eine mittlere digitale Kompetenz ist w√ľnschenswert. Sie m√ľssen vertraut sein mit Funktionen wie Schreiben, Verschieben, Einf√ľgen, Kopieren, L√∂schen, Seitenansicht √§ndern, Notizen/Textfelder einf√ľgen etc.

Allgemein gilt: Alle Anwendungen sind mit Informationen unterlegt, die zu lesen sind, wenn man mit der Maus dar√ľber geht bzw. sie ergeben sich intuitiv.

Rolle des Lehrenden

Der Lehrende sollte immer mehr zum Lernbegleiter werden. Es ist nicht mehr nur der Lehrende, der L√∂sungen an die Tafel schreibt bzw. in das digitale Lehrbuch eintr√§gt, sondern es sind die Teilnehmenden selbst. √úber das Spiegeln der Lehrb√ľcher der Teilnehmenden k√∂nnen deren L√∂sungen an das Whiteboard √ľbertragen und f√ľr alle sichtbar gemacht und besprochen werden.

Durch die gro√üe Anzahl und Vielfalt der √úbungen z.B. mittels zus√§tzlicher Links kann der Lehrende immer besser die Teilnehmenden anregen, weitere √úbungsaufgaben zu l√∂sen und dann auch noch digital. Am Ende der interaktiven Aufgaben kann sich der Teilnehmende die L√∂sung anzeigen lassen bzw. die √úbung wiederholen. Je nachdem wie erfolgreich eine Aufgabe gel√∂st wird, gibt es immer auch eine kleine Animationen wie „Perfekt – alles richtig!“ oder „Das war schon richtig gut! Nutze deinen zweiten Versuch.“ sowie die erreichten und zu erreichenden Punktzahl (z.B. 6/7) und einen kleinen Pokal dahinter, alles Dinge, die zum Weitermachen ermutigen. Das vermittelt den Teilnehmenden ein zus√§tzliches positives Gef√ľhl, da nicht nur vom Lehrenden das Lob kommt.

Datenschutz & Anonymität

Beim ersten Einloggen und Aktivieren des Links f√ľr das digitale Lehrbuch sind eine Email-Adresse einzutragen und ein Passwort zu vergeben. Nach einer Best√§tigungsmail an die angegebene Mailadresse erfolgt erst die Freischaltung des Accounts und dann kann √ľber einen Code das Lehrbuch aktiviert werden.

Beim Einloggen in das Lehrbuch m√ľssen stets Mailadresse bzw. Nutzername und Passwort eingegeben werden. Es ist nicht m√∂glich √ľber ein und dieselbe Mailadresse mehrere B√ľcher freizuschalten, wenn z.B. Paare im Kurs sind, die nur √ľber eine gemeinsame Mailadresse verf√ľgen.

Evaluation in der Praxis

Erstellt von
Erprobt in
Stand: 24. Februar 2023

Lernbereiche

Vor allem am Anfang von Lektionen gibt es Aufgaben, wo die Teilnehmenden ihre Erfahrungen einbringen k√∂nnen, sei es, wohin sie schon gereist sind oder was sie als Unterkunft bevorzugen und warum. Mit der Sichtbarkeit der Aufgabe am Whiteboard k√∂nnen verschiedenste Wortmeldungen eingef√ľgt und f√ľr alle sichtbar gemacht werden. Bei nachfolgenden √úbungen k√∂nnen diese Vokabeln erneut Verwendung finden. Vorteil: Sie sind bereits im Lehrbuch gespeichert.

Ist ein Text f√ľr alle Teilnehmenden am Whiteboard sichtbar und wird er von Teilnehmenden vorgelesen, kann der Lehrende direkt auf Ausspracheschwierigkeiten aufmerksam machen, indem er mit dem Finger auf dem falsch ausgesprochenen Wort stehen bleibt bzw. dieses unterstreicht und nach Beendigung des Vorlesens alle Teilnehmenden √ľber die Ausspracheregeln sprechen bzw. Ausprachevorschl√§ge machen und somit gemeinsam zur richtigen L√∂sung kommen, wobei der Lehrende als Coach im Hintergrund agiert.

Je nach zu behandelndem Kursthema k√∂nnen jegliche Bilder aus dem digitalen Lehrbuch am Kursbeginn oder auch zwischendurch problemlos und ohne Vorbereitungszeit f√ľr alle am Whiteboard angezeigt werden, wenn n√∂tig vergr√∂√üert und ohne Risiko einer Datenschutzverletzung. Der Lehrende stelle eine Frage dazu und schon k√∂nnen die Teilnehmenden ihre Eindr√ľcke, Emotionen, Fragen, Vermutungen dazu anstellen bzw. eigene Erlebnisse und Erfahrungen austauschen. Niemand muss erst im Buch nach der Seite suchen und alle schauen gemeinsam auf das gleiche Bild.

Zus√§tzliche interaktive √úbungen √ľber das digitale Lehrbuch hinaus laden die Teilnehmenden ein ihr Wissen zu wiederholen bzw. zu festigen. Diese √úbungen sind nach den Lerneinheiten des Lehrbuches gegliedert und damit den jeweiligen Lernschwerpunkten bzw. Lernfortschritten gut zuordenbar.

Handhabung als Lehrende

Komplexität
Benutzerfreundlichkeit
Spielerisches Lernen
Selbstlernen
Gruppenaktivität
Geeignete Gruppengrößen
klein (<10) 
mittel (10-20) 
 

Handhabung als Teilnehmende

Komplexität
Benutzerfreundlichkeit
Spielerisches Lernen
Selbstlernen
Gruppenaktivität
Geeignete Gruppengrößen
 

Fazit

Wir sind schon ein St√ľck vorangekommen, aber irgendwie trotzdem erst am Anfang des Lernens mit digitalen Medien.
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