Lernorte erschließen

Vorgehensweise und Ansprache

Um andere Lernorte zu finden, ist zunĂ€chst eine Analyse der in der Region vorhandenen Infrastruktur fĂŒr Senior:innen zu empfehlen. Dazu gehören die WohlfahrtsverbĂ€nde, SeniorenbeirĂ€te, Vereine und Ortsgruppen von Interessengruppen oder Kirchengemeinden. Im lĂ€ndlichen Raum ĂŒbernehmen oft ehrenamtlich tĂ€tige BĂŒrgermeister:innen eine integrierende Funktion fĂŒr die dort lebenden Senior:innen.
Bestehen bereits Netzwerke mit konkreten Ansprechpersonen in der Region, erfolgt die Ansprache direkt ĂŒber diese Personen, die dann eine wichtige Mittlerrolle einnehmen. Zur Ansprache gehören die Weitergabe der Motive und Absichten und die ErlĂ€uterung des Nutzens, den man mit dem Aufsuchen anderer Lernorte erbringen möchte. Wichtig ist die klare Formulierung des Angebotes, sowohl thematisch als auch konkrete Aussagen zu Umfang und Voraussetzungen fĂŒr diese besondere Weiterbildung. Ein zeitlicher Rahmen und die thematische Planung muss also bereits vorliegen. Zeitfenster sollten benannt werden können.

Die Ansprache beinhaltet auch die Bitte um UnterstĂŒtzung fĂŒr die Schaffung von Rahmenbedingungen vor Ort. Das trifft hauptsĂ€chlich fĂŒr das Vorhandensein eines Raumes und das Vorhandensein einer stabilen Internetverbindung zu.

Wohnen bei der Wohnungsbaugesellschaft 1893 in Eberswalde


Rahmenbedingungen am Lernort

Das Aufsuchen anderer Lernorte schafft trotz aller Absprachen andere nicht immer genau vorhersehbare Rahmenbedingungen sowohl fĂŒr die Dozent:innen als auch fĂŒr die Teilnehmenden. Daher bestehen grĂ¶ĂŸere Anforderungen an FlexibilitĂ€t und Anpassung als in einer Einrichtung der Erwachsenenbildung mit bekannter nutzbarer Technik, rĂ€umlichen Gegebenheiten und dem Funktionieren von WLAN. So kann auch das Vorhandensein von Projektionstechnik nicht vorausgesetzt werden. An den 6 Lernorten im ersten Projektjahr war an 2 Standorten gar kein WLAN vorhanden, in 2 weiteren nur teilweise und stark schwankend oder nur mit vorherigen technischen Maßnahmen wie das Einsetzen eines Repeaters zwischen der örtlichen Feuerwehr und dem Seniorenclub. Beim gegenwĂ€rtigen Stand des Zugangs zum Internet in Teilen Brandenburgs und der noch nicht vollzogenen Digitalisierung in Senior:innen-Treffpunkten mĂŒssen daher immer sicherheitshalber mobile Hotspots zur AusrĂŒstung eines Dozenten gehören. Obwohl es auch hier mitunter Probleme geben kann, wenn sich eine grĂ¶ĂŸere Gruppe mit ihren GerĂ€ten einwĂ€hlen möchte.
Andererseits gab es immer eine UnterstĂŒtzung seitens der Gemeinde, des WohlfahrtstrĂ€gers oder örtlich ansĂ€ssiger Unternehmen, wenn es um die Bereitstellung eines Raumes ging.
Der Zugang zu den RĂ€umlichkeiten, eine Ausschilderung oder bekannte Ansprechpersonen hĂ€ngen des Öfteren von Absprachen mit Dritten ab, die als organisierende Senior:innen vor Ort wiederum mit anderen kooperieren. Die Erfahrungen lehren, dass bei der Organisation auf solche Rahmenbedingungen wie rechtzeitiger Zugang zum Raum, Beachten der Öffnungszeiten von Ämtern (bei Raumnutzung) beim Festlegen des Kursstartes oder Kursendes BerĂŒcksichtigung finden mĂŒssen.
Insgesamt werden Senior:innen durch das Angebot sensibilisiert, ihren sozialen Treffpunkt weiterzuentwickeln und in der Zukunft mehr „Digitalisierung“ einzufordern oder eine entsprechende Ausstattung beim TrĂ€ger nachzufragen.

Voraussetzungen beim TrÀger (Gewinnen von Lehrpersonal, die richtige Technik, Weiterbildung zu neuer Technik)

Um neue Lernorte zu erschließen, mĂŒssen bei einem TrĂ€ger, der hier aktiv werden möchte, eine Reihe von Voraussetzungen geschaffen werden. Das Gewinnen und die Auswahl von geeigneten Dozent:innen stehen dabei an erster Stelle. Da bei Schulungen dieser Art nicht nach einem festen Curriculum vorgegangen wird, ist ein höheres Maß an fachlicher FlexibilitĂ€t erforderlich als in einschlĂ€gigen Smartphone-Kursen. Auch beim formellen kursförmigen Lernen ist das Festlegen der Themen eine vorherige Absprache zwischen Dozent:in und Teilnehmenden, die am ersten Tag stattfindet. Die Angebote im Projekt sind hier kĂŒrzer und daher sehr zielorientiert zu nutzen. Neben der Fachlichkeit ist FlexibilitĂ€t ebenso beim Anpassen an die wechselnden örtlichen Rahmenbedingungen gefragt. Fehlende WLAN-Verbindungen, kleine RaumgrĂ¶ĂŸe, Verzicht auf vertraute Unterrichtstechnik verlangen immer wieder Lösungen vor Ort. Die Dozent:innen sollten mit der Zielgruppe vertraut und pĂ€dagogisch in der Lage sein, das Lernen Älterer mit dem digitalen Thema zu verbinden.
Besondere Empathie ist bei Besuchen in der HĂ€uslichkeit gefragt. Die private Lernsituation schafft eine besondere NĂ€he und das Aufnehmen von BedĂŒrfnissen oder Besonderheiten von Biografie und Lebensart können fĂŒr die Vermittlung digitaler Kenntnisse von Vorteil sein, um vor allem den Nutzen des Gelernten zu zeigen. Es ist eine echte Aufgabe, Kommunikation und Vermittlung im Gleichgewicht zu halten, zumal die Senior:innen beim Hausbesuch im Alter zwischen 80 und 90 Jahren sind und oft nicht mehr so zahlreiche Möglichkeiten der Kommunikation haben und sich daher auf diese Besuche freuen.

Um fĂŒr alle Teilnehmenden in bestimmten Lernsituationen eine einheitliche Grundlage fĂŒr die praktische Vermittlung an GerĂ€ten zu haben, ist das Projekt mit Tablets ausgestattet, die vor Ort genutzt werden können. ZusĂ€tzlich werden die Fragen an den eigenen mitgebrachten GerĂ€ten geklĂ€rt. Alle teilnehmenden Senior:innen besaßen bereits ein Smartphone oder Tablet, das sie bereits nutzten, jedoch mit sehr unterschiedlichem Kenntnisstand.

FĂŒr das Lernen in der HĂ€uslichkeit und dem Workshopthema „Alexa mach die Lampen aus! Lange teilhaben – sicher leben durch smarte Hilfsmittel und Apps“ wurde erstmals smarte Technik eingesetzt. Bei der Auswahl smarter GerĂ€te sollte man sich an wichtigen Lebensbereichen von Senior:innen orientieren. FĂŒr die smarten VorfĂŒhr-GerĂ€te wurden die folgenden Kategorien gebildet: Mehr Kommunikation & Sprachassistenz, Smart Home, Virtual Reality – Entspannen und Erleben, mehr Sicherheit, meine Gesundheit ĂŒberwachen (siehe auch smarte GerĂ€teliste). Das Dozent:innenteam beschĂ€ftigte sich intensiv mit Angeboten, um zu den Themen geeignete GerĂ€te fĂŒr den Kauf auszuwĂ€hlen.

Auch Dozent:innen betreten hier Neuland. Ein erster Schritt ist die SelbstermĂ€chtigung der Dozent:innen, das BeschĂ€ftigen mit Funktionsweise und Nutzen sowie dem Vorbereiten der GerĂ€te auf einen praktischen Einsatz. Weiterbildung erfolgt nicht ĂŒber externe Expert:innen (smarte Dozent:innen waren vor Ort nicht zu finden), sondern mittels arbeitsteiliger BeschĂ€ftigung mit den GerĂ€ten und anschließendem Austausch und gegenseitigem Vermitteln.
Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist ein schrittweises Vertiefen der Handhabung mit einem entsprechend großen Lerneffekt. Auszuwerten ist am Ende, wie die Senior:innen an die smarten GerĂ€te herangefĂŒhrt wurden und welche zum Einsatz kamen (siehe auch Erfahrungsberichte).


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