Umfragetools – mehr als ein Feedback

Das Tool fĂŒr alle FĂ€lle.

Mit Umfragetools (https://wbdig.guetesiegelverbund.de/tool-o-search/7-umfragetool) können aus unterschiedlichsten AnlÀssen im Kurs WissensstÀnde abgefragt werden. Diese AnlÀsse können sein:

  • Auftakt zu einem neuen Thema (Brainstorming, was wissen die Teilnehmenden bereits) – Input & Erfahrung
  • spielerische Auflockerung als Energizer fĂŒr zwischendurch – Interaktion & Kommunikation
  • Beginn eines Kurstages als Warm Up & Icebreaker – Motivation & Energizer
  • Abschluss/Wiederholung/Festigung einer Lern-/Kurseinheit – Üben & Festigen

Diese digitalen Tools sind oft einfach zu bedienen bzw. selbst wenn die Beschreibungen auf den Webseiten auf Englisch verfasst sind, ergibt sich die Benutzung intuitiv.

Mit den Ergebnissen der Umfragetools ist jedoch mehr möglich als nur Wissen abzufragen, denn sie können gleichzeitig Grundlage fĂŒr weitere Übungen sein. WissenslĂŒcken werden sichtbar und der Lehrende kann den Lernenden gezielt weitere Übungen anbieten.

Meine Untersuchungen konzentrierten sich auf verschiedene Anwendungsmöglichkeiten wie word cloud, Kartenabfrage und multiple choice-Fragen bei den Umfragetools mentimeter, EDKIMO und ONCOO. Alle drei Tools wurden in verschiedenen Kursformaten (PrÀsenz-, Hybrid-, Onlinekurs) ausprobiert.

Beim Hybrid- und Onlinekurs ist das Umschalten zwischen den Tabs (Videokonferenz, Tool) fĂŒr die Teilnehmenden anfangs eine HĂŒrde, wird aber in dem Maße unwichtiger, wie die Umfragetools Bestandteil der Online-Plattformen werden. Bei Jitsi gibt es neben der Chat- bereits die Umfragefunktion. Bei zoom kann mentimeter inzwischen problemlos als App vom Lehrenden und den Lernenden zugefĂŒgt werden.

Eine Besonderheit bei der Anwendung dieser Tools ist, dass alle Lernenden aktiv werden „mĂŒssen“. Die jeweilige Webseite zeigt die Ergebnisse bzw. Lösungen, aber auch wie viele Teilnehmende geantwortet haben. Der Lehrende entscheidet, ob es wichtig ist, dass alle geantwortet haben.

Bei ONCOO können die Teilnehmenden beispielsweise ihren Antworten eine Farbe geben und erkennen diese dann an der Tafel, wissen aber nicht, wem die anderen Antworten zuzuordnen sind.

Eignung fĂŒr die Seniorenbildung

Je umfangreicher die Kenntnisse der Lehrenden ĂŒber Umfragetools sind, umso besser können sie diese in der Seniorenbildung einsetzen.

Manche Ă€ltere Lernende sind mit digitalen Tools bereits vertrauter andere noch nicht. Gerade die technischen Anforderungen bezĂŒglich der GerĂ€te und Tools empfinden Seniorinnen und Senioren oft als eine besondere Herausforderung. Diese sollten so einfach wie möglich gehalten sein. Es kann durchaus passieren, dass sich diese Zielgruppe vor allem anfangs mehr mit den technischen Anforderungen auseinandersetzen muss und die eigentliche Aufgabenstellung des Tools und der spielerische Ansatz ins Hintertreffen geraten. Wenn mittels Kamera des EndgerĂ€tes und einem Klick der QR-Code fĂŒr das gewĂŒnschte Tool geöffnet werden kann, sind Tippfehler oder Zahlendreher ausgeschlossen. Das gibt Sicherheit im Umgang mit digitalen EndgerĂ€ten wie Tablet oder Smartphone und ist ein großes Plus fĂŒr die Senioren!

Auch die spezifischen LernfĂ€higkeiten dieser Gruppe sind zu beachten. Sie können sich auf einen „biografischen“ Rucksack stĂŒtzen (vergessen geglaubte Vokabeln sind auch nach Jahren abrufbar; eigene Erlebnisse können als gelebte Erfahrung eingebracht werden. Fragen wie: Wer hat die niedrigste / höchste Temperatur erlebt und wo? greifen auf solche Erfahrungen zurĂŒck), jedoch lassen kognitive FĂ€higkeiten bei dem einen oder anderen immer mehr nach. Sich Neues anzueignen wird immer schwieriger und erfordert mehr Zeit oder mehrere AnlĂ€ufe. Eine Wiederholung auf spielerische Art durch ein Umfragetool (z.B. word cloud) wird als angenehme Abwechslung empfunden.

So sind Wortschatzabfragen bei Umfragetools sehr gut geeignet, um auf vorhandenes Wissen zurĂŒckzugreifen bzw. Vokabular zu bestimmten Themen abzufragen, einzufĂŒhren, zu wiederholen oder zu festigen. Oder auch um auf bestimmte Rechtschreibschwierigkeiten aufmerksam zu machen, ohne dass die Teilnehmenden namentlich in der Umfrage in Erscheinung treten (z.B. Schreibung der Wochentage oder Monate im Englischen).

Soll die benötigte Zeit bei der Eingabe der Lösungen eine Rolle spielen (z.B. bei Mentimeter gibt es ein Leaderboard), gerĂ€t die eigentliche Wissensabfrage u.U. in den Hintergrund und schreibschnellere Lernende haben einen eindeutigen Vorteil, obwohl die anderen Lernenden möglicherweise ĂŒber mehr Wissen verfĂŒgen. Hier muss der Lehrende je nach Lerngruppe entscheiden. An einem letzten Kurstag in das Umfragetool das Leaderboard einzubinden, bringt auf jeden Fall zusĂ€tzliche Belebung und Kommunikation in den Kurs.

Voraussetzungen

Neben der Ausstattung mit den entsprechenden EndgerĂ€ten (fĂŒr Lehrende: Whiteboard und Laptop; fĂŒr Lernende: PC, Laptop, Tablet oder Smartphone) ist eine stabile Internetverbindung am wichtigsten, da ohne diese kein webbasiertes Tool verwendet werden kann.

Wichtig fĂŒr Ă€ltere Lernende: Der Vorteil bei der Nutzung von PC, Laptop oder Tablet durch die Senior:innen besteht in einer besseren Übersichtlichkeit und Lesbarkeit aufgrund einer grĂ¶ĂŸeren Bildschirmansicht. Nutzen sie das eigene EndgerĂ€t – sprich das Smartphone – ist die Vertrautheit mit der Nutzung dieses GerĂ€tes fĂŒr viele Ă€ltere Lernende nicht unbedeutend. Die technischen Anforderungen werden von ihnen dann als nicht so hĂŒrdenreich wahrgenommen. Sie bekommen einen Link plus Code bzw. einen QR-Code und gelangen so problemlos ĂŒber die Kamerafunktion direkt auf die entsprechende Webseite.

FĂŒr Lehrende: Erste Anmeldung/Registrierung: Bei Mentimeter (www.mentimeter.com) und EDKIMO (www.edkimo.com) muss man sich zwischen kostenfreier (zeitlich unbegrenzt bei mentimeter oder auf 30 Testtage begrenzt bei EDKIMO) und Bezahlvariante entscheiden. ONCOO (www.oncoo.de) ist grundsĂ€tzlich kostenlos und erfordert keine Anmeldung/Registrierung, jedoch kann hier durch den Lehrenden bei der Erstellung der Aufgaben ein Passwort vergeben werden.

Die kostenfreien Varianten bieten logischerweise weniger Möglichkeiten, können aber durchaus das Interesse an mehr wecken. Bezahlvarianten bieten umfangreichere Möglichkeiten hinsichtlich der Art der Aufgaben und der Anzahl der möglichen Fragen bzw. Antworten innerhalb einer Aufgabe.

Aufwand zur Vor- und Nachbereitung

Der Aufwand fĂŒr die Vorbereitung variiert nach Umfragetool und Aufgabenart:

WĂ€hrend ONCOO sofort und damit praktisch ohne Vorbereitungszeit gestartet werden kann, mĂŒssen sich die Dozent:innen bei EDKIMO und mentimeter einloggen und die Aufgaben vorbereiten. Bei mentimeter und EDKIMO ist es wichtig, die Umfrage auf der entsprechenden Webseite bereits vor dem Kurs zu öffnen, da durch den Lehrenden immer ein Login mit Email oder Nutzername und Passwort erforderlich ist, was sonst den Kursablauf unnötig unterbricht bzw. verzögert.

Bei der word-cloud ist der Vorbereitungsaufwand am geringsten (Webseite aufrufen, u.U. einloggen, Frage eingeben und los geht’s) und kann auch unmittelbar im Kurs erfolgen.

Bei multiple choice-Aufgaben mĂŒssen die Fragen und Antwortmöglichkeiten einschl. Darstellungsweise der Antworten vorab eingegeben werden. Sollen am Ende nicht nur die Antworten zĂ€hlen sondern auch, wer diese am schnellsten eingegeben hat, ist auch die Zeit vorzugeben, in der die jeweilige Aufgabe zu lösen ist. LĂ€ngere ZeitrĂ€ume fĂŒr Ă€ltere Lernende sind hier unerlĂ€sslich. Selbst fĂŒr relativ kurze Fragen sind mindestens eine bis zwei Minuten fĂŒr die Beantwortung vorzusehen. Bei lĂ€ngeren bzw. komplexeren Fragen muss auf jeden Fall wesentlich mehr Zeit fĂŒr das Lesen und Verstehen der Fragen eingeplant werden. Hier bietet sich möglicherweise auch an, vorher im Kurs gemeinsam die Fragen zu lesen und zu verstehen.

Bei mentimeter und EDKIMO legt der Lehrende vorab fest, ob einmal oder mehrmals geantwortet werden kann. Das ist insofern nicht unbedeutend, da Ă€ltere Lernende manchmal „aus Versehen“ die Lösung abschicken, ohne dass sie alle Lösungen bereits eingegeben haben. Sie sind dann enttĂ€uscht, wenn sie die verbleibenden Lösungen nicht eingeben können.

Nachbereitung:

Die Ergebnisse der durchgefĂŒhrten Umfragen werden auf der jeweiligen Webseite automatisch gespeichert (Mentimeter, EDKIMO) bzw. sind jederzeit unter Eingabe des Codes wieder verfĂŒgbar (ONCOO). Der Lehrende kann diese anschließend direkt von der jeweiligen Anbieterseite (EDKIMO, mentimeter) als pdf-Datei herunterladen und fĂŒr weitere Kurse nutzen bzw. den Lernenden zur VerfĂŒgung stellen. Ältere Lernende empfinden dies als sehr guten Service der Dozent:innen. Es gibt ihnen die Möglichkeit zum nochmaligen Anschauen und Wiederholen. Im Notfall sichert auch ein Screenshot die Ergebnisse.

Benötigte digitale Kompetenzen

Lehrende: Je nach Tool geringe bis mittlere digitale Kompetenz.

Lernende: Es wird eine geringe digitale Kompetenz vorausgesetzt. Die Lernenden gehen auf die vom Lehrenden vorgegebene Webseite mittels Link und Zugangscode oder per Kamerafunktion ĂŒber den QR-Code und die zu lösende Aufgabe erscheint. Sie geben ĂŒber die Tastatur die Lösung ein und senden diese ab.

Mentimeter verfĂŒgt ĂŒber englischsprachige Eingabebefehle. Hier muss der Lehrende die Lernenden anfangs u.U. unterstĂŒtzen, da diese oft nicht ĂŒber ausreichende Englischkenntnisse im digitalen Bereich verfĂŒgen.

Bei multiple choice-Aufgaben, wo u.a. auch auf Geschwindigkeit Punkte vergeben werden, mĂŒssen sich die Lernenden einen Nickname geben.

Rolle des Lehrenden

Lehrende sollen vom Frontalunterrichter und „Bestimmer“ zum Beobachter und Lernbegleiter werden.

Die Lernenden sollen digital aktiv werden und auf spielerische Art und Weise ihre Kenntnisse zeigen: Sie selbst öffnen die Webseite auf ihrem EndgerÀt, geben die Lösungen ein und senden diese an die Tafel.

Lehrende können Teilnehmenden helfen, die z.B. Probleme beim Aufsuchen der entsprechenden Webseite haben oder mit der Eingabe der Lösungen nicht zurecht kommen, weil sie einen bestimmten Buchstaben nicht schreiben können (z.B. spanische Sonderzeichen).

Möglich wird auch, dass sich die Teilnehmenden gegenseitig mit RatschlĂ€gen und Hinweisen unterstĂŒtzen. Technisch weniger versierte Teilnehmende fĂŒhlen sich u. U. bei der Nutzung ihres eigenen EndgerĂ€tes (Smartphone oder Tablet) wohler als bei der Nutzung eines vom BildungstrĂ€ger bereit gestellten EndgerĂ€tes (Laptop oder Tablet).

Datenschutz & AnonymitÀt

Lehrende:

Registrierung bei kostenloser und Bezahlvariante.

Lernende:

Bei den Tools Mentimeter, EDKIMO und ONCOO ist keine Registrierung erforderlich. Das Einloggen erfolgt entweder ĂŒber einen Link mit Code oder einen QR-Code. Letzteren nehmen die Ă€lteren Teilnehmenden sehr gern an, da eine falsche Eingabe ĂŒber die Tasten ausgeschlossen ist. Über die Kamerafunktion wird der QR-Code automatisch erkannt und durch einen Klick wird das Tool mit der Aufgabe geöffnet.

Der Vergleich der Ergebnisse erfolgt anonym oder per Nickname.

Evaluation in der Praxis

Erstellt von
Stand: 30. MĂ€rz 2022

Lernbereiche

Per word cloud werden bereits bekannte Vokabeln als Einstieg in ein neues Thema erfragt. Der Lehrende bekommt einen guten Überblick ĂŒber bereits vorhandenes Wissen der Teilnehmenden und kann spĂ€ter darauf zurĂŒckgreifen.

Multiple choice-Fragen animieren zur Kommunikation: Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt? Was kann ich in der Post kaufen? Mehrere Antworten sind vorgegeben. Bevor die Lernenden die richtige Antwort erfahren, diskutieren sie, warum welche Lösung richtig sein könnte.

Aus vorgegeben Buchstaben sollen möglichst viele verschiedene Wörter gebildet werden. Wie viele Wörter werden gefunden? Wie viele Lernende kennen die gleichen Wörter? Welche Wörter sind am ausgefallensten?

Schnell und einfach kann im Kurs Wissen wiederholt oder ĂŒberprĂŒft werden, um z.B. Rechtschreibschwierigkeiten aufzudecken. Nach der Nutzung dieses Tools gibt es plötzlich 12 Wochentage im Englischen.

KomplexitÀt
Benutzerfreundlichkeit
Spielerisches Lernen
Selbstlernen
GruppenaktivitÀt
Geeignete Gruppengrößen
klein (<10) 
 

Fazit

Umfragetools sind mehr als ein Feedback. Dank verschiedener Eingabefunktionen (Korrektur, Löschen, farbliche Unterlegung, Eingabe von Kategorien u.a.) können die Ergebnisse Grundlage weiterer Aufgaben sein.
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